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Über Erfahrungen und Erwartungen sprach Hanspeter Heeb mit Maya Iseli und Daniel Anthenien. Maya Iseli ist seit 10 Jahren Mitglied der Primarschulbehörde, Daniel Anthenien kandidiert neu für die Oberstufenbehörde.

Was können Schulbehördemitglieder erreichen?

Maya, was sind deine wichtigsten Erfahrungen aus 10 Jahren Primarschulbehörde?
Maya Iseli: Es ist eine interessante und vielseitige Arbeit. Ich schätze die Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen und Lehrern: Abklären, wo der Schuh drückt. Probleme, wenn möglich angehen. Leider ist nicht alles was wünschbar wäre auch machbar.

Wieviel Zeit fordert dieses Amt?
Maya Iseli: Den Zeitaufwand kann ich steuern. Fix gegeben sind die Sitzungen der Behörde. Ich kann aber selbst entscheiden, in welchen Kommissionen ich mitarbeiten und wieviel Zeit ich nebst den Sitzungen investieren will. Ich persönlich zähle den Aufwand nicht, weil mir diese Arbeit wichtig ist und Freude macht.

Daniel Anthenien: Wo bieten sich denn die wichtigsten Mitwirkungsmöglichkeiten?
Maya Iseli: Eigentlich an jeder Sitzung, auch bei der Arbeit in den Kommissionen. Sehr wichtig sind mir auch die Schulbesuche.


Was sind denn so eure Kernanliegen?

Daniel Anthenien: Die öffentliche Schule muss ihre hohe Qualität in Romanshorn behalten. Es soll für Eltern gar kein Thema werden, ob sie ihre Kinder in eine Privatschule schicken sollen.
Maya Iseli: Das ist auch mein Hauptanliegen. Es darf im Schulbereich keine Zweiklassengesellschaft entstehen.
Daniel Anthenien: Genau, die Verhältnisse in den USA oder in England sind mir ein abschreckendes Beispiel.
Maya Iseli: Wir haben in Romanshorn gute Schulen; viele überdurchschnittlich engagierte Lehrkräfte. Das soll auch so bleiben. Die Frage ist deshalb für mich: Wie kann ich die Lehrer optimal unterstützen, wie kann die Behörde optimale Rahmenbedingungen schaffen.
Daniel Anthenien: Der Lehrer ist der Hauptverantwortliche. Er braucht möglichst viel Selbständigkeit. Wir brauchen deshalb gute, auch erfahrene Lehrer. Die Lehrer sollen deshalb eine Perspektive haben. Der Lehrerberuf muss lebenslang ein interessanter Beruf bleiben, damit dem Beruf auch langjährige Lehrkräfte erhalten bleiben. Die Lehrer sollen in ihrem Beruf nicht ausbrennen.
Maya Iseli: Hier ist vor allem der Kanton gefordert, denn vieles ist kantonal geregelt.

Ein anderes Thema. Daniel ist der einzige Jurist, der kandidiert. Was kann ein Jurist in der Schulbehörde einbringen?


Maya Iseli: Wir hatten des öfteren rechtliche Fragen zu klären, zum Beispiel in Zusammenhang mit personellen Fragen. Da ist man natürlich froh, wenn eines der Behördemitglieder Jurist ist.
Daniel Anthenien: Sicher stellen sich auch Fragen in Zusammenhang mit Zwangsmassnahmen bei problematischen Schülern.


Was ist denn eure Haltung bezüglich Heimeinweisungen, die zur Zeit in St. Gallen im Gespräch sind?


Maya Iseli: Das befürworte ich nur im Notfall. Man sollte aber die Möglichkeiten von Heimeinweisungen vorsehen.
Daniel Anthenien: Man muss beachten, dass die Lehrer und die Mitschüler ein Recht auf einen geordneten Unterricht haben. Wenn ein Schüler den Unterricht gefährdet, muss die Heimeinweisung als letzte Massnahme möglich sein. Im Heim kann er individueller betreut werden, so dass unter Umständen eine kriminelle Karriere vermieden wird.


Wie steht es mit den Möglichkeiten zur Suchtprävention?


Maya Iseli: Die Schule ist hier gefordert. In letzter Zeit stelle ich eine extreme Zunahme beim Rauchen fest.
Daniel Anthenien: Wir müssen in Zusammenarbeit mit den Lehrern die Aufklärung forcieren.
Maya Iseli: Sehr positiv sehe ich Belohnungssysteme. Klassen erhalten eine Belohnung, wenn alle Schüler nicht rauchen. Das schafft einen gesunden Gruppendruck.
Daniel Anthenien: Hier kann die Behörde Input geben zum Mitmachen.


Wie seht ihr das Problem der Sicherheit auf dem Schulweg?


Daniel Anthenien: Dies ist ein vordringliches Problem, insbesondere die Hauptstrassen nach Arbon, Kreuzlingen und Amriswil sind gefährlich. Abhilfe ist möglich, zum Beispiel könnte man beim Holzensteiner Kindergarten eine Warnblinkanlage installieren. Als Spezialist für verkehrsrechtliche Fragen, kann ich sicher noch mit etwas mehr Nachdruck als vielleicht andere für Massnahmen eintreten, die die Verkehrssicherheit erhöhen.
Maya Iseli: Bei der Schuleinteilung berücksichtigen wir die Schulwege. Da hat die Behörde eine direkte Möglichkeit, die Sicherheit auf dem Schulweg zu beeinflussen. Wir als Grüne setzen uns ja auch für Tempo 30 innerorts ein.


Zur Zeit kommt die Lehrerbeurteilung auf uns zu.


Maya Iseli: Das Ganze ist noch nicht konkretisiert. Der Vorschlag, der zur Zeit in Vernehmlassung ist, sieht die Beurteilung durch zwei bis drei Personen vor, wobei mindestens ein Schulinspektor mitwirkt. Geplant sind auch Weiterbildungsmassnahmen für Behördemitglieder. Ich bin eher skeptisch gestimmt. Eine Förderungsbeurteilung wäre mir lieber als eine lohnwirksame Beurteilung.
Daniel Anthenien: Grundsätzlich ist eine Beurteilung gut. Sie soll auch eine Wirkung haben. Das Hauptproblem orte ich bei der Durchführung durch Laienbehörden. Normalerweise wird man ja von Personen mit der notwendigen Fachkompetenz und Berufserfahrung beurteilt. Ich habe da Angst, dass man durch inkompetente Beurteilungen gute Lehrer verliert.
Maya Iseli: Mein Trost ist, dass das Ganze wahrscheinlich nicht so heiss gegessen wird, wie es gekocht wurde.


Bei der Integration stellen sich zwei Fragen. Einerseits die Integration der Kinder aus fremden Kulturen, andrerseits die Integration von Kindern mit Behinderungen.


Maya Iseli: Hier kann die Schule einiges tun und tut es auch. Es gibt Deutschkurse für Fremdsprachige, sowohl für Schüler als auch für ihre Eltern.
Für eine erfolgreiche Integration Fremdsprachiger darf die Klasse nicht zu gross sein. Daher setze ich mich für angemessene Klassengrössen ein.
Die Integration von Kindern mit Behinderungen ist zu fördern. Konkret weiss ich von einem Kind mit Down-Syndrom (früher Mongolismus genannt), das zusammen mit anderen Kindern den Kindergarten besucht. Ob später ein Besuch der normalen Schule für das Kind förderlich ist, weiss ich nicht. Für ein Kind im Rollstuhl wurde beim Pavillion eine Rampe gebaut. Ich finde es sehr wichtig, dass die Kinder in der Schule auch den Umgang mit Kindern mit Behinderungen lernen.
Daniel Anthenien: Ich finde es absolut wichtig, die fremdsprachigen Kinder zu integrieren. Auch dass die Eltern dieser Kinder mit einbezogen werden und dass man sie auch ausbildet ist wichtig. Die Eltern müssen die Lehrer verstehen können, damit sich gute Beziehungen aufbauen lassen.
Ich stimme auch zu, dass Kinder mit Behinderungen wenn immer möglich mit den anderen Kindern die Schule besuchen.
Und was darf das alles kosten?
Daniel Anthenien: Es gilt immer Wünschbares und Machbares gegeneinander abzuwägen.
Maya Iseli: Hier ist die Politik gefordert, wir müssen bereit sein mehr Geld zu investieren.
Im Grossen Rat muss ich immer wieder feststellen, dass viele Politiker andere Prioritäten setzen, zum Beispiel den Strassenbau forcieren. Das muss sich ändern.

 

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