| Gedanken zum Gemeindeparlament von Peter Eberle Momentan
sind in den Gemeinden Arbon, Amriswil, Romanshorn Diskussionen über die Einführung von
Gemeindeparlamenten im Gang. Ich möchte einige Pros und Contras beleuchten. Persönlich
stehe ich der Idee skeptisch gegenüber und möchte dies mit der Aussage "ausser
Spesen nichts gewesen" zusammenfassen.
Pro: · Gemeindeversammlungen werden tendenziell immer weniger
besucht, vor allem dann, wenn keine kritischen Geschäfte anstehen (z.B.
Rechnungsgemeinde). · Einbezug zusätzlicher Personen in den politischen
Entscheidungsprozess. · Parlament führt zu breiterer Information über die politischen
Geschäfte. · Gemeindeparlament ermöglicht dem interessierten Bürger einen guten
Einstieg in die Politik. · Leute, die sich bereits in den Parteien engagieren, erhalten
einen zusätzlichen Anreiz für die Öffentlichkeit tätig sein. · Kosten/Mehraufwand ist
verkraftbar. · Entlastung des Bürgers von Bagatellentscheiden und Routinegeschäften
(z.B. Rechnungsablage, Einbürgerungen).
Contra: · Es findet eine Verlagerung von Kompetenzen vom Volk zum
Parlament statt, d.h. das Volk verliert Rechte an direkter Mitsprache. Dies ist
grundsätzlich problematisch. · Gemeindeversammlung mobilisiert bei wichtigen Fragen
breite Bevölkerungskreise und verschiedene Interessengruppen (mehr als in einem
Gemeindeparlament) · Budgetdiskussion wird differenzierter, da in der Gemeindeversammlung
im Prinzip jeder einzelne Budgetposten durch das "Volk" genehmigt werden muss.
Dies hat einen kostendämpfenden Einfluss. · Die Suche von Personen für mehr oder
weniger ehrenamtliche und andauernde Arbeit wird in allen Bereichen unserer Gesellschaft
immer schwieriger (Politik, Soziales, Militär, Vereine). · Gemeindeparlamente haben
aufgrund hoher Personalfluktuation tendenziell geringes politisches Gewicht. · Alle
Probleme sind in den bestehenden Strukturen lösbar. · Reformen des bisherigen Systems
sind durchaus denkbar z.B. Abschaffung Rechnungsgemeinde. · Auch wenn der Mehraufwand
tragbar ist, bleibt es trotzdem ein Mehraufwand. Zusätzliche jährliche Kosten von Fr.
50'000 - 100'000 sind durchaus realistisch. · Bürokratie wird grösser.
Die Diskussion über das Gemeindeparlament wird in Romanshorn diesen Herbst aktueller
(Einsetzung einer Spezialkommission); eine Volksabstimmung im nächsten Jahr ist
wahrscheinlich. Auch wenn ich persönlich mit "Nein" stimmen werde, wird das
Ergebnis bei mir so oder so keine grossen Emotionen auslösen, da ich diese Frage für die
Zukunft von Romanshorn als eher unwichtig einstufe. |