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Wer ist da naiv?

 

Hermann Hess (FDP) wird nicht müde zu betonen, wie wichtig die T13 für die wirtschaftliche Entwicklung des Oberthurgaus sei. Er wirft dem Komitee „Nein zur T13“ Naivität vor, weil es sich für die Landschaft, die Wohnqualität und den sanften Tourismus stark macht.

 

Naiv ist es doch zu glauben, durch die T13 würden die bestehenden Strassen vom Verkehr entlastet. Jede neue Strasse zieht unweigerlich zusätzlichen Verkehr an. In Bezug auf die T13 würde das heissen, dass eine Transitschleuse Nord / Süd geöffnet und uns mit Lärm und Gestank belasten würde. Die verschiedenen Zubringer würden die Wohnqualität zahlreicher ruhiger Quartiere der Seegemeinden, aber auch z.B. von Dozwil, Sommeri und Lengwil verschlechtern. Weil der grösste Teil des heutigen Verkehrs Ziel- und Quellverkehr ist, brächte die T13 wenig. Viele würden sie nämlich gar nicht benützen, weil sie ein Umweg wäre.

Dass Immobilien durch die T13 an Wert gewännen, wie dies H. Hess behauptet, stimmt, wenn überhaupt, nur zum Teil. Viele andere würden dafür neu vom Verkehr beeinträchtigt und dadurch an Wert verlieren.

 

Naiv ist es auch zu glauben, die wirtschaftlichen Probleme des Oberthurgaus liessen sich durch den Bau der T13 lösen. Rorschach hat seit vielen Jahren einen Autobahnanschluss, steht aber keineswegs besser da. Durch die T13 würde der Sog von Zürich noch grösser. Es entstünden bei uns Schlafgemeinden ohne eigenes Gewerbe. Die Bodenpreise würden steigen und die Ansiedlung neuer Betriebe somit erschwert.

 

Geradezu unglaublich naiv ist es zu meinen, der durch den Bau der T13 entstehende Landverlust (40 ha) könne durch Aufhebung und Renaturierung von wenig befahrenen Strassen kompensiert werden. Einmal ganz abgesehen davon, dass dies völlig unrealistisch ist, geht es nicht „nur“ um den Landverlust als solches, sondern darum, dass durch diese Strasse die Landschaft durchschnitten, ja wegen der diversen Zubringer zerstückelt würde. Die Naherholungsgebiete sämtlicher Seegemeinden zwischen Kreuzlingen und Arbon würden unwiderruflich geschädigt.

 

Zum Glück gibt es in der FDP auch Leute, welche erkannt haben, dass mit Rezepten von gestern die Probleme von heute nicht zu lösen sind. Die junge FDP spricht sich gegen die T13 und für eine ökologische Steuerreform aus. Dies lässt hoffen, dass auch die Altväter der FDP im neuen Jahr mit neuen Ideen zur Entwicklung des Oberthurgaus aufwarten.

 

Maya Iseli, Romanshorn 30.12. 2001

 

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