Vernehmlassung Kantonaler Richtplan, Änderungen 2003 /
Verkehr
Stellungnahme Grünes Forum Romanshorn
1. Einleitung
Seit vielen Jahren hat sich das Grüne Forum Romanshorn mit der Verkehrsplanung des
Kantons Thurgau, insbesondere mit dem Projekt T13 befasst. Viele direkt betroffene
Menschen in und um Romanshorn haben sich vor allem wegen der Bedrohung des Romanshorner
Waldes mobilisieren lassen. Deshalb ist es nur folgerichtig, wenn wir auch jetzt wieder
Stellung beziehen zu den Aenderungen 2003 im Kantonalen Richtplan.
Weil sich die Argumentation aus ökologischer Sicht nicht verändert hat und sich in
vielen Teilen wiederholt, ist diese Stellungnahme relativ kurz gefasst. Umso deutlicher
möchten wir aber unsere Argumente gegen den Ausbau des Strassennetzes verstanden wissen!
Wir stellen uns ganz klar gegen Strassenbau durch die wertvollen Landschaften am See, mit
denen an andern Orten für den Tourismus geworben wird!
2. Aussagen zur T13
2.1 Wir begrüssen es sehr, dass das Teilstück der T13 zwischen Münsterlingen und
Romanshorn nicht mehr im Richtplan erscheint!
2.2 Die Südumfahrung von Kreuzlingen lehnen wir aus folgenden Gründen entschieden ab:
- Der Druck auf die Seestrasse würde stark zunehmen (Durchgangsverkehr,
Transitverkehr von/nach Deutschland)!
- Die Südumfahrung wäre eindeutig das 1. Rädli der Salamitaktik T13!
- Der sogenannte Hausverkehr, der den grössten Teil ausmacht, würde die Um-
fahrung sicher nicht benutzen, weil diese mit einem Umweg verbunden wäre!
- In der Region Kreuzlingen wurde in den letzten Jahren schon eindeutig genug
Geld in Asphalt verbuttert!
2.3 Das Teilstück Nr. 3.220 durchs sogenannte Egnach lehnen wir kategorisch ab aus
folgenden Gründen:
- Mit diesem Teilstück würde ein erst neu definiertes Gebiet mit Vorrang Landschaft
und ein Gebiet mit Vernetzungsfunktion durchschnitten! Das wäre blanker Hohn, wenn die
eine Planung (Verkehrsplanung) des Kantons die andere übergeordnete (Raumplanung)
zunichte machen würde! Die Strasse wäre erst noch widerrechtlich; siehe Kantonales
Strassengesetz, Paragraf 4: "Strassen sind ... unter Beachtung ... des sparsamen
Verbrauchs von Boden zu planen, zu bauen und zu unterhalten".
- Dieses Teilstück wird als Fortsetzung der "Umfahrung Amriswil vorgeschlagen - eine
Umfahrung, die für alle nur einen grösseren Umweg bringt, und so kaum benutzt werden
würde.
- Dieses Teilstück bedeutet das 2. Rädli der Salamitaktik zur Realisierung einer T13 mit
dem Argument des Sachzwanges!
2.4 Die Spange Nr. 3.222 vom Spitz Romanshorn bis zur Verlängerung der Umfahrung Arbon
ist eine Provokation sondergleichen. Sie schreit geradezu nach einer Verlängerung des
Trasses durch den Romanshorner Wald und bildet somit das 3. Rädli der unliebsamen
Salamitaktik!
3. Ablehnung der T14
Die völlige Neuterassierung der T14 überrascht, da im ersten Richtplanentwurf noch
eine Optimierung der bestehenden Strasse vorgesehen war. Auf dieser Basis wäre allenfalls
noch ein Konsens erreichbar gewesen. Die jetzt vorgeschlagene Version aber ist absolut
erschreckend! Die Aussichten auf eine in jeder Beziehung vernünftige Realisierbarkeit
sind sehr schlecht:
- kein Land, das bereits vom Kanton ausgeschieden wäre!
- topografische Gegebenheiten, die sehr problematisch sind!
- eine Lösung, die unglaublich kostenintensiv wäre!
- eine Investition mit einem klaren Missverhältnis von Kosten und Nutzen!
- ein Konzept, das überhaupt keine Antwort gibt auf die Zielsetzung des Bundes,
der Umweltbelastung (insbesondere CO2) entgegenzuwirken!
- Mehrverkehr wäre garantiert!
- die notwendigen Anschlüsse würden noch Probleme aufwerfen, über deren
Dimensionen sich heute noch kaum jemand bewusst ist!
4. Unsere Quintessenz
4 Die Aussagen der 3 vom Kanton in Auftrag gegebenen Gutachten haben immer noch
absolute Gültigkeit - was der Vorschlag nicht berücksichtigt! ("Der Oberthurgau ist
genügend erschlossen.", "Es braucht keine durchgehende neue Strasse!")
4 Dem Ammenmärchen vom schlecht erschlossenen Oberthurgau halten wir entgegen: der
Oberthurgau ist absolut genügend erschlossen für den Individualverkehr!
4 Die einzige zukunftsträchtige Devise lautet: der öV muss gefördert und darf nicht
durch den Ausbau des Strassennetzes torpediert werden! Hier geht der Kanton durchaus in
die richtige Richtung, z.B. wenn er das Buskonzept für die Agglomeration Kreuzlingen und
den Stundentakt Konstanz-Zürich umzusetzen hilft.
Wir hoffen, mit unseren Gedanken zur Meinungsbildung beitragen zu können und danken
für die wohlwollende Aufnahme der Kritikpunkte.
Romanshorn, im Oktober 2003
Urs Oberholzer-Roth
Präsident Grünes Forum Romanshorn
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