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Al-di-Lidl-da!

Der Gemeinderat hat entschieden: Aldi soll bauen dürfen. Das heisst auch: der Gemeinderat wird entscheiden: Lidl soll bauen dürfen. Soweit korrekt, das Baureglement ist eingehalten, da kann man offenbar nicht dagegen sein. Kann man nicht? Wenn das so wäre, dann bräuchten wir doch - mit Verlaub - keinen Gemeinderat, der sich mit einem derartigen Baugesuch beschäftigt, da genügte das Okay der Bauverwaltung. Wenn aber der Gemeinderat entscheidet, dann ist das immer und vor allem auch ein politischer Entscheid. Das bedeutet, dass über die technischen Aspekte hinaus auch übergeordnete Planungsfragen zu bedenken sind. Zum Beispiel muss man sich fragen, ob dieser enorme Kulturlandverlust (alles eingeschossig in Zone W3 und kein einziger Parkplatz unterirdisch!) gerechtfertigt ist angesichts einer doch eher geringen Wertschöpfung, die ein Billigdiscounter erbringt. Zwei grosse Wiesen werden geopfert, wo doch Romanshorn zur genüge Brachen und überbaute Areale aufweist, die einer Umnutzung harren. Hätte man da allenfalls Einfluss nehmen können? Oder sogar müssen, aufgrund klarer und verbindlicher Leitlinien? Ein anderer Grundsatz, der jedem Entscheid unserer Behörde zugrunde liegen muss, ist das Konzept "Stadt am Wasser", in der Annahme, dass so etwas existiert. Man darf doch annehmen, dass mit der Erarbeitung eines neuen Slogans nicht nur Werbetafeln und Hochglanzprospekte geschaffen, sondern auch eine inhaltliche Entwicklung gedacht wurde. Wenn nun aber Aldi und Lidl Bestandteil einer solchen städtebaulichen Entwicklung sind, dann danke für Obst! Dann werden sich auch Optimisten wie ich vom an sich spannenden und herausfordernden Leitgedanken "Stadt am Wasser" abwenden. Denn was ich mir darunter sicher nicht vorstelle, ist mehr Verkehr, mehr billiger Konsum, mehr zersiedelte Agglomerationslandschaft etc. an der Kreuzlingerstrasse und damit gleichzeitiger Torpedierung einer positiven Entwicklung in der Kernzone, wo man mit der Alleestrasse einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat. Ist ein Gemeinderat wirklich so ohnmächtig angesichts eines Baugesuchs wie desjenigen von Aldi? Kann er wirklich nicht anders entscheiden? Kann er nicht Profil zeigen und Führungsverantwortung übernehmen? Oder ging es bei der Behandlung des Geschäfts gar nicht um solche Fragen? - Die Berichterstattung im Bodensee-Tagblatt nach dem positiven Aldi-Entscheid lässt dies vermuten, da war "lediglich" die Rede von der Diskussion um die Anzahl Parkplätze, ob ein paar mehr oder ein paar weniger ...

Urs Oberholzer-Roth, Präsident Grünes Forum Romanshorn

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