|
Vernehmlassung zur Gesamtrevision Kantonaler Richtplan 2008
Seit
vielen Jahren hat sich das Grüne Forum Romanshorn mit der
Verkehrsplanung des Kantons Thurgau, insbesondere mit dem Projekt T13
und T14 befasst. Viele direkt betroffene Menschen in und um Romanshorn
haben sich vor allem wegen der Bedrohung des Romanshorner Waldes, des
Romanshorner Kulturlandes und von Romanshornern Naturschutzgebieten
mobilisieren lassen. Deshalb ist es nur folgerichtig, wenn wir auch
jetzt wieder Stellung beziehen zur Gesamtrevision 2008 im Kantonalen
Richtplan in Bezug auf den Strassenverkehr.
Weil
sich die Argumentation aus ökologischer Sicht nicht verändert hat
und sich in vielen Teilen wiederholt, ist diese Stellungnahme relativ
kurz gefasst. Umso deutlicher möchten wir aber unsere Argumente gegen
den Ausbau des Strassennetzes verstanden wissen! Wir stellen uns ganz
klar gegen Strassenbau durch die wertvollen Landschaften am See, mit
denen an andern Orten für den Tourismus geworben wird!
Alter
Wein in neuen Schläuchen oder die eklatante Missachtung eines
Volksentscheides
Wie
ein Blick in den Richtplanentwurf zeigt, stellt das in Aussicht
genommene Trassee der BTS nichts anderes als eine Neuauflage der T14
dar, welche in der Abstimmung vom 25. September 2005 durch das
Thurgauer Stimmvolk abgelehnt worden ist. Mit dem Argument, dass der
durch die Verkehrsbelastung verursachte Leidensdruck nach wie vor
vorhanden sei und die ThurgauerInnen sogenannt bloss wegen den
unabsehbaren (finanziellen) Folgen einer T14 Nein gesagt hätten,
bringt der Regierungsrat die gleich alte Idee wieder zur Schublade
hervor.
Zum
einen bedeutet dies eine ziemliche Unverfrorenheit gegenüber dem
Stimmvolk wenn nicht sogar eine eklatante Nichtrespektierung des
demokratischen Willens und ist für die Glaubwürdigkeit der
politischen Elite des Kantons Thurgau äusserst bedenklich.
Zum
andern vermag auch die Begründung für die fast identische Neuauflage
nicht so ganz zu überzeugen. Wenn der Leidensdruck der
Verkehrsbelastung wie behauptet tatsächlich so gross ist, weshalb gab
es am 25. September 2005 trotzdem ein Nein? Anzumerken ist, dass sich
darunter auch sehr hohe Neinanteile in direkt durch die T14 tangierten
Gemeinden befanden.
Das
gemeinsame Vorgehen der Parlamentsmehrheit mit dem Regierungsrat ist
auch deshalb bedenklich, weil von grüner Seite Vorschläge für
Alternativvorschläge gemacht worden sind, diese aber, ohne überhaupt
vertieft auf sie einzugehen, einfach vom Tisch gewischt worden sind.
Mittlere
Verkehrsbelastung bei hausgemachtem Ziel-/Quellverkehr
Die
beiliegende DTV-Karte des Bundesamtes für Landestopografie zeigt ganz
klar auf, dass die Verkehrsbelastung entlang der geplanten BTS im
Vergleich zu anderen Orten in der Schweiz ungleich tiefer ist (z. B.
Seedamm Rapperswil 24'919, St. Gallen Zürcherstrasse 22'980). Damit
soll die Belastung der an der Thurtalstrasse gelegenen Ortschaften
nicht verharmlost werden und es sollen Lösungen gesucht werden, die
diese Belastung verringern.
Auf
der anderen Seite erachten wir es aber nicht als korrekt, wenn
vorwiegend hausgemachter Verkehr mit einer völlig neu angelegten
Schnellstrasse "belohnt" werden soll. Viel eher ist es aus
ökologischer Sicht richtig, wenn die Anreize zum Umstieg auf den öffentlichen
Verkehr intensiviert, punktuelle Ortsumfahrungen geschaffen werden und
der Durchgangsverkehr durch die Dörfer erschwert wird.
Angebot
schafft Nachfrage oder die Schaffung einer Transitachse durch den
Kanton Thurgau
Es
ist leider ein Ammenmärchen, das sich partout nicht aus der Welt
schaffen lässt, nämlich dass sich Strassenverkehr mit neuen Strassen
bekämpfen lässt. Im Gegenteil erzeugen neue Strassen neuen
Strassenverkehr. Es ist eine Tatsache, dass sich der Strassenverkehr
immer den Weg des geringsten Widerstandes sucht. Geben wir ihm also
die Möglichkeit auf zwei superschönen, superschnellen
Hochleistungsstrassen (BTS und OLS) durch den Thurgau zu brausen, so
wird dies - mehr als uns lieb sein kann - tun. Beispiele dafür gibt
es zuhauf, auch in nächster Umgebung. Wer kennt nicht die Situation
der mittlerweile chronisch überbelasteten Stadtautobahn in St. Gallen
und die Hoffnungen, die in eine dauerhafte Entlastung der Stadt durch
die Autobahn gesetzt worden sind?
Wer
Strassen sät, wird also Verkehr ernten. Schlimm an der ganzen
Angelegenheit ist, dass mit den beiden Strassen im Kanton Thurgau unnötig
eine Transitschleuse für den internationalen Schwerverkehr von Nord
nach Süd und von West nach Ost eröffnet würde. Wir glauben kaum,
dass dies im Sinn der ThurgauerInnen sein kann.
Unnötiger
und immenser Verlust von Kultur- und Naturland
Eine
der Stärken des Kantons Thurgau ist seine noch weitgehend intakte
Natur- und Kulturlandschaft. Weshalb zieht es ZürcherInnen, Deutsche
und St. GallerInnen in unseren Kanton? Sicher nicht wegen diesen
beiden geplanten Strassen, sondern gerade wegen den vorgenannten
Werten. Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, weshalb dieser
Standortvorteil mit zwei riesigen Strassen, die nach Richtplan erklärtermassen
auch zur Ansiedlung von Industrie und damit zu weiterer Ueberbauung führen
sollen, unnötig aufgegeben werden soll. Ein Zu- und Wegpendeln dieser
BewohnerInnen ist ohne weiteres auch mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln möglich.
Sogenanntes
Gesamtmobilitätskonzept als reiner Etikettenschwindel?
Angesichts
der schon heute wieder forcierten und in den Vordergrund gestellten
beiden Strassen BTS und OLS drängt sich leider genannter Verdacht
auf. Sollen mit dem Schlagwort eines Gesamtmobilitätskonzeptes nicht
einfach die Strassengegner ruhig gestellt werden?
Hinweis
dafür kann sein, dass nach Meinung von Fachleuten (Verkehrsplanern)
im Richtplan die notwendigen Teile eines solchen Konzeptes fehlen. In
einem ersten Schritt müsste hiernach die Feststellung des aktuellen
und die Prognose des zu erwartenden Mobilitätsbedarfes auf die
einzelnen Verkehrsträger mit Abschätzung von zu erwartenden Kapazitätsengpässen
auf den einzelnen Verkehrsträgern erfolgen.
In
einem zweiten Schritt wären dann die Kosten und Nutzen des Ausbaues
der verschiedenen Verkehrsträger zu ermitteln, wobei zu Kosten und
Nutzen einzelwirtschaftliche Kosten genauso zu bewerten sind wie
umwelt- und sozialökonomische Einflüsse.
In
einem letzten Schritt wäre dann das Angebot zur Beseitigung von zu
erwartenden Kapazitätsengpässen so zu gestalten, dass der höchstmögliche
Nutzen erzielt würde. All diese Überlegungen vermissen wir im
Richtplan, der damit sehr unwissenschaftlich daher kommt. Vor einer
BTS-/OLS-Abstimmung wäre ein Gesamtmobilitätskonzept, das diesen
Namen verdient, wenigstens noch zu erarbeiten.
Aus
den genannten Gründen fordern wir Sie auf, die BTS und OLS zum Wohle
des Kantons Thurgau, zum Wohle aller heutigen und zukünftigen
EinwohnerInnen dieses wunderschönen Kantons aus dem Richtplan zu
streichen!
|